Compliance-/Adherence-Forschung
Non-Adherence bzw. Non-Compliance von Patienten prägt in zahlreichen Indikationen die Versorgungsrealität. Neue Medikamente werden sich nicht selten der Herausforderung stellen müssen, auch in diesem Bereich durch Adherence-Programme Maßstäbe zu setzen. Das IPAM plant und begleitet sämtliche Formen von Adherence-Studien – ob diese auf der Basis von administrativen Daten,
Patientenbefragungen, klinischen Parametern oder elektronischen Systemen durchgeführt werden, wird je nach Zielsetzung mit dem Sponsor festgelegt. Das IPAM-Adherence-Competence-Center mit umfangreichen Erfahrungen im Bereich der Adherence-Messung und der empirischen Erklärung von Non-Adherence verwendet einen eigenen Segmentierungsansatz – somit werden spezifische Non-Adherence-Segmente bei Patienten durch unterschiedliche Erklärungsfaktoren »begründet«.
Der Sponsor und die Forschung
Eine in Kooperation mit einem pharmazeutischen Hersteller durchgeführte Studie zur Adherence/Compliance in der ambulanten Thromboseprophylaxe basierte auf folgender Hypothese: Die patientenbezogene Compliance in der Thromboseprophylaxe nach Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen mit niedermolekularen Heparinen ist im ambulanten Bereich verbesserungsbedürftig.
IPAM - Lösungsansatz
Durch strukturierte Telefoninterviews wurden 1.415 Hüft- und Kniegelenkersatzpatienten aus 22 Kliniken befragt. Non-Adherence wurde dabei im Rahmen eines 6-Multiindikatorenkonzeptes (u.a. Arzneimittelbilanz, indirekte und direkte Fragenkomplexe) ermittelt. Sämtliche relevante Erklärungsfaktoren inklusive einer taggenauen Abbildung der Versorgungspfade der Patienten
wurden erfasst.
Ergebnisse
Für 90% aller Befragten war die ambulante Thromboseprophylaxe relevant. Von diesen Patienten waren je nach Indikator 13 - 21% nonadherent und verabreichten sich zwischen 38 - 43% ihrer NMH-Injektionen nicht. Die multivariate logistische Regression zeigte, dass Patienten mit einer ambulanten Rehabilitation eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für Non-Adherence haben. Des Weiteren steigt die Non-Adherence-Wahrscheinlichkeit mit jedem zusätzlichem Tag zwischen Akut- und Rehabilitationsaufenthalt.
Publikation T. Wilke, J. Moock, S. Müller, M. Pfannkuche, A. Kurth (2010), Non-Adherence in outpatient thrombosis prophylaxis with low molecular weight heparins after major orthopedic surgery, in: Clinical Orthopedics and Related Research, doi 10.1007/s11999-010-1306-8.