Ausmaß und Konsequenzen von Non-Adherence/Non-Persistence
Wir besitzen umfangreiches Know How bei der indikations- und medikationsbezogenen Messung von Non-Adherence/Non-Persistence. Hierzu setzen wir externe validierte und auch eigens entwickelte Fragebögen, Pill Counts, Medication Event Monitoring Systems sowie die gezielte Auswertung verfügbarer Sekundärdaten ein. Letzteres ist eine Kernkompetenz des ACC.
Der Sponsor und die Forschung
Gemeinsam mit dem Sponsor sollten am Beispiel von knapp 200.000 Diabetes Typ 2-Patienten, für die 3-Jahresdaten zur Verfügung standen, folgende Fragen beantwortet werden:
• Kann mit deutschen Krankenkassendaten die medikationsbezogene Adherence gemessen werden?
• Wenn ja, mit welcher Methodik und welchen methodischen Annahmen?
• Hat Non-Adherence klinisch meßbare Konsequenzen?
IPAM - Lösungsansatz
Ein Datensatz von knapp 200.000 Diabetes-Patienten wurde mit durch das IPAM entwickelten methodischen Ansätzen zur sekundärdatenbezogenen Adherence-Messung ausgewertet.
Ergebnisse
Im betrachteten Sample beträgt das mittlere Alter 65,4 Jahre. Der Mittelwert der Medikamentenverfügbarkeit aus den betrachteten Szenarien liegt bei 78,6 % (SD: 19,6 %); die NA-Quote (80 % Grenzwert) bei 52,1 % (SD: 19,4 %). Je nach Parameterwahl liegt die abgeleitete Bandbreite der NA-Quote bei 15,7-97,0 %. Ca. 70 % der Parameterkombinationen erklären signifikant Diabetes-bezogene Hospitalisierungen. Die Szenarien mit der höchsten Erklärungskraft verwenden nicht die DDD als Sollprofil, sind intervallbasiert beginnend mit der 1. Verschreibung und verwenden die Medication Possession Ratio (MPR) als Adherence-Maß.
Die Ergebnisse einer NA-Analyse hängen stark von den methodischen Annahmen ab. Ein sinnvolles NA-Reporting sollte stets auf validierten Parameterkombination aufbauen; dies vorausgesetzt eignen sich deutsche Routinedaten gut für eine NA-Messung. Basis eines effizienten AM-Programms (AMP) sind darauf aufbauend zwei weitere Schritte: (1) Identifikation der Patienten, die potenziell am stärksten von einem AMP profitieren („AMP-Patienten“) sowie (2) laufende Evaluation des AMP auf patientenindividueller Ebene.
Die Identifikation von „AMP-Patienten“ (niedrige Adherence, hohe Gesundheitskosten) ist auf Basis zuvor festgelegter Segmentierungskriterien gut möglich. Die Evaluation eines AMP ist allerdings mit deutschen Routinedaten nur eingeschränkt möglich (fehlende tägliche Verfügbarkeit, keine Dokumentation von NA-Ursachen). Hinzu kommt, dass die für die Patientensteuerung wesentliche Information über die tatsächlich verschriebene Tagesdosis nicht Teil der Datensätze ist. Hier bedarf es einer zusätzlichen Datendokumentation im Rahmen eines AMP. Auf dem „Weg“ zu einem AMP leisten die Routinedaten jedoch einen sehr bedeutenden Beitrag.
Publikation: Poster ISPOR Baltimore 2011
Der Sponsor und die Forschung
Eine in Kooperation mit einem pharmazeutischen Hersteller durchgeführte Studie zur Adherence/Compliance in der ambulanten Thromboseprophylaxe basierte auf folgender Hypothese: Die patientenbezogene Compliance in der Thromboseprophylaxe nach Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen mit niedermolekularen Heparinen ist im ambulanten Bereich verbesserungsbedürftig.
IPAM - Lösungsansatz
Durch strukturierte Telefoninterviews wurden 1.415 Hüft- und Kniegelenkersatzpatienten aus 22 Kliniken befragt. Non-Adherence wurde dabei im Rahmen eines 6-Multiindikatorenkonzeptes (u.a. Arzneimittelbilanz, indirekte und direkte Fragenkomplexe) ermittelt. Sämtliche relevante Erklärungsfaktoren inklusive einer taggenauen Abbildung der Versorgungspfade der Patienten
wurden erfasst.
Ergebnisse
Für 90% aller Befragten war die ambulante Thromboseprophylaxe relevant. Von diesen Patienten waren je nach Indikator 13 - 21% nonadherent und verabreichten sich zwischen 38 - 43% ihrer NMH-Injektionen nicht. Die multivariate logistische Regression zeigte, dass Patienten mit einer ambulanten Rehabilitation eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für Non-Adherence haben. Des Weiteren steigt die Non-Adherence-Wahrscheinlichkeit mit jedem zusätzlichem Tag zwischen Akut- und Rehabilitationsaufenthalt.
Publikation T. Wilke, J. Moock, S. Müller, M. Pfannkuche, A. Kurth (2010), Non-Adherence in outpatient thrombosis prophylaxis with low molecular weight heparins after major orthopedic surgery, in: Clinical Orthopedics and Related Research, doi 10.1007/s11999-010-1306-8.